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IBI aktuell

Auf vielen Schweizer Alpen wuchert die Grünerle, auch bekannt als Alpen-Erle. Diese Büsche überwachsen artenreiche Wiesen und Weiden, verhindern die Rückkehr des Bergwaldes und führen zu Stickstoffbelastungen für Gewässer und Boden. Doch was hat das mit Ziegen zu tun? Die Ziege frisst nebst saftigen Kräutern und Gräsern auch Blätter und Rinde von Büschen und Sträuchern. Im Gegensatz zu anderen Haus- und Nutztieren können Ziegen die Ausbreitung der Grünerle bremsen. Seit Juni 2020 auch auf der Alp Sousläger im Berner Oberland.

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Die Alp Sous ist ein natürlich begrenztes Hochtal, das auf 1530 bis 2500 Metern über Meer liegt. Mit einer Fläche von insgesamt 690 Hektaren handelt es sich um eine sehr grosse Alp. Aktuell bildet die Alp zwei Senntümer, Chüebodmi-Sous und Allmend-Sous, mit je ca. 45 Milchkühen. Zusammen mit Mutterkühen und Rindern leben dort von Juni bis September rund 200 Tiere. Rund zehn Tonnen Alpkäse AOP werden während dem Alpsommer produziert. Auch mehr als hundert Schafe weiden in den oberen Gebieten der Alp.

Ziegenhirtin Tanja hütet auf der Alp Sousläger ihre Herde in eigens ausgeschiedenen Flächen, wo die Alpen-Erle sich verbreitet. Ihre Ziegenherde macht sich tagsüber über die Büsche her, ohne den Kühen auf der Weide das Gras streitig zu machen. Nachts bleiben die Ziegen im Stall, wo sie vor Wind und Wetter, Luchs und Wolf geschützt sind.

Vor dem Start des Ziegen-Projekts galt es jedoch, den Ziegenstall und die Alpkäserei auf Vordermann zu bringen. Die IBI unterstützt das Vorhaben mit einem Sponsoring, getreu ihrer Mission "Als innovatives Energiedienstleistungs-unternehmen unterstützen wir die nachhaltige Entwicklung der Region." Wie sich das Projekt entwickelt, erzählt uns Meieli, die Leitgeiss, von Zeit zu Zeit:

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Alp Sousläger auf 1665 m ü. M.

Hallo zusammehehehen!


Hallo, ich bin Meieli. Diesen Frühling bin ich neun Jahre alt geworden. Für eine Geiss ist das schon ein stolzes Alter. Ich bin eine kleine und robuste Geiss und wenn ich Schokolade wäre, dann wäre ich eine Tafel Rittersport – quadratisch, praktisch, gut. Das sagt zumindest meine Besitzerin Tanja – die mag Schokolade, und eben auch mich, sehr gerne. Ich gebe mir aber auch Mühe, damit sie mich mag. Ich bin nämlich die beste Masseurin in ihrer Herde.
Ich bin das Oberhaupt eines Geissen-Clans, dem Meieli-Clan. Das Leitgeissen-Gen habe ich wohl auch meiner jüngeren Tochter vererbt. Ich habe den Eindruck, dass sie den Chefposten übernehmen will. Sie ist zwar auch eine kleine, aber willensstarke und intelligente Geiss. Mal sehen, wie sich die Sache entwickelt.

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Ich war noch nie ernsthaft krank und mit dem Nachwuchs lief es bisher auch ganz gut. Diesen Frühling bekam ich ein Böcklein das so neugierig war, dass es zuerst seinen Kopf rausstreckte, anstatt der Vorderbeine. Glücklicherweise hat Tanja das bemerkt und mir und meinem Böcklein geholfen.
Inzwischen habe ich mich wieder erholt und freue mich auf den Alpsommer. Wo gehen wir wohl dieses Mal hin? Ich melde mich wieder nach dem Alpaufzug und werde euch berichten, wie das so gelaufen ist.

Liebe Grüsse, euer Meieli

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Das uf der Willkommens-Tafel u hier auf dem Bild bin übrigens ich.


Ab geht's auf die Alp


Als wir Mitte Juni aus dem Vieh-Anhänger ausgeladen wurden, warteten bereits eine Menge anderer Geissen auf uns, hauptsächlich weisse und ein paar braune, um mit uns am Alpaufzug teilzunehmen. Ich selber reihte mich zu Beginn ganz hinten ein, da ich eine Meinungsverschiedenheit mit dem Hund hatte. Dafür führten mich dann zwei liebe Mädchen hoch auf die Alp.

Auf der Alp angekommen, durften wir raus auf eine grosse, schöne Weide. Nach dem Fressen zogen wir, Tanjas Herde, uns unter die Tannen zurück. Die weissen Stubenhocker gingen natürlich geradewegs zurück in den Stall. Am Abend beim Melken ging es drunter und drüber. Wir wurden alle in den Stall eingesperrt und dann gruppenweise abgeholt. Ich staunte schon etwas über diesen Stall. Einen so schönen neuen Stall hatte ich noch nie gesehen und ich wagte mich kaum, da reinzumachen… Perfekte Holzböden und verschiedene Etagen gibt’s, so dass man aus dem Gerangel fliehen und auf so einem Tablar ruhig dösen kann.

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Viele der anderen Geissen regten sich über die Treppe auf den Melkstand auf, die wir jeweils rauf müssen. Sie sei zu steil und zu schmal. Pah - was sind die unbeholfen! Für unsere Herde war das kein Hindernis. Wir sind uns eben gewohnt, zu klettern.

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Dafür blufften die anderen rum beim Melken. Eine gab mehr Milch als die andere. Tja, wir werden ja sehen, ob das noch klappt, wenn sie weit laufen müssen. Ich habe nämlich gehört, dass wir hier oben in den Büschen und im Gestrüpp weiden dürfen. Da wartet manch steiler und steiniger Hang auf uns.


Bis bald, euer Meieli


Der Erlenwald

Schon bald waren die Weiden in der Nähe des Stalls kahlgefressen. Die flache Weide mit viel Gras haben sich die Kühe einverleibt. Die steilen Weiden mit viel Erlengestrüpp, Himbeerstauden und Bergrosen durften wir Geissen haben. Danach führten sie uns in ein neues Gebiet. Ich konnte meinen Augen kaum trauen: Da stand plötzlich ein ganzer Erlenwald vor uns – ein richtiges Geissenparadies! Es ist so, dass wir Meckertanten manchmal fast lieber Blätter fressen als nur langweiliges Gras. Überglücklich stürzten wir uns kopfvoran in diesen Dschungel. Jede von uns war so damit beschäftigt, möglichst viele dieser feinen Blätter in sich reinzustopfen, dass wir gar nicht bemerkten, wie wir uns gegenseitig aus den Augen verloren. Umso wichtiger wurden unsere Ohren. Zum Glück trägt jede von uns eine kleine Glocke oder «Trichle».

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Wir haben uns richtige Wege durchs Gestrüpp gefressen und gestampft. Und wo wir schon eine Spur gelegt haben, gehen wir jetzt natürlich immer wieder durch. Das Durchkommen klappt immer besser und jede Geiss nimmt sich beim Vorbeigehen noch ein Maul voll Blätter, damit wir auch bald besser durchs Gestrüpp sehen können. Auch wenn’s heiss ist lässt es sich in den Erlen ganz gut weiden – dort ist es angenehm kühl.

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Zwischen den Stauden findet man auch hie und da einen Büschel Gras, so dass die Mahlzeit schön abwechslungsreich bleibt. Das Gras und die guten Kräuter geben dann so richtig feine Milch. Der Wurmfarn hilft unserer Verdauung und die Blätter sind gut für unsere Klauen und unser Fell. So bleiben wir richtig hübsch und gesund. Unsere Felle glänzen in der Sonne und unsere Bäuche sind schön rund – so muss es sein. Da oben durch die Erlen zu stapfen, ist unser tägliches Fitnesstraining. Dazwischen hat es auch Felsen und Steine, die beim Drüberklettern unsere Klauen abrunden – das erspart uns dann die Pedicure. Alles in allem ein Tolles Umeld für uns!

Bis zum nächsten Mal
Meieli


Die Sache mit dem Käse

Neulich hatte ich eine Zickerei mit der alten Olta. Sie wollte einfach nicht glauben, dass aus unserer Milch etwas produziert wird. Stur behauptete sie, die Milch würde verkauft. So ein Blödsinn! Die hat doch keine Ahnung. Trotzdem konnte ich das so nicht stehen lassen, Beweise mussten her. Also bin ich der Sache nachgegangen...
Auf dem Zaun rund um unsere Weide ist ja meistens kein Strom. Die Menschen halten uns wohl für blöd und meinen, wir wüssten das nicht. Also schlüpfte ich durch den Zaun und schlich rund um den Stall und die Hütte, um Nachforschungen zu betreiben. Leider war nirgends eine Türe offen. Vorne an der Hütte kamen gerade Leute daher und fragten, ob sie Geisskäse kaufen können - den von hier hätten sie besonders gern. Das tönt ja interessant, dachte ich und versteckte mich hinter dem Holzstapel, als Tanja mit etwas Rundem und einem Messer aus der Hütte kam.
 

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Ich beobachtete alles und spitzte meine Ohren. Die Leute assen von dem runden Ding und schwärmten, das sei jetzt der beste Geissenkäse, den sie je versuchen durften. Ganze vier Stück kauften sie. Interessant, aber ich wollte mehr wissen. An der Seite der Hütte schaute ich durchs Fenster rein. Da sah ich, dass unsere Milch von der Kanne in einen schönen, runden und sehr grossen Kessel geleert wurde. Darunter wurde ein Feuer gemacht und jemand schüttete noch ein Pulver in unsere Milch - dann wurde sie gerührt. Ein wenig später wurde noch eine Flüssigkeit in den Kessel gegeben, nochmals gerührt und das Ganze abgedeckt. Doch was nun? Alle liefen davon und gingen gemütlich frühstücken. Die können doch jetzt nicht einfach aufhören!

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Dann werfe ich mal einen Blick auf die Sachen draussen vor dem Fenster, dachte ich. Da standen Holzbretter und feine weisse Tücher mit vielen kleinen Löchern waren aufgehängt. Daneben runde, weisse Formen mit kleinen Löchern, verschiedene Bürsten und viele andere Dinge, deren Zweck ich nicht erraten konnte.

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Endlich kamen alle vom Frühstück zurück und rührten wieder im Kessel rum. Lange, sehr lange ging das so weiter - ich bin dabei fast eingeschlafen. Dann sprang ich auf den Fenstersims und konnte von oben in den Kessel schauen. Schön sah das aus: Oben am Rand sah ich einen schönen warmen Glanz und drinnen sah es jetzt nicht mehr aus wie Milch. Kleine weisse Stückchen schwammen in einer gelblichen Suppe. Die weissen Stückchen wurden in eine der weissen Formen abgefüllt und mit einem Tuch zugedeckt. Und nach kurzer Zeit wurden die Formen umgedreht und wie durch einen Zauber wurden die kleinen Stückchen zu einem grossen, runden Käse!

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Aha, dachte ich und musste meckern vor Begeisterung. Als mich die Käserin entdeckte, sprang ich vom Fensterbrett und schnappte mir gleich noch eine der weissen Formen. Dann machte ich mich auf zu Olga, um ihr das Beweisstück zu bringen. Ich konnte ihr die Form zeigen, bevor die Käserin sie mir wieder abnahm. Zufrieden erzählte ich Olga von meinem Abenteuer und war stolz beim Gedanken, dass aus unserer Milch ein so gefragtes Menschenfutter gemacht wird. In einem musste ich Olga dann doch recht geben: Unsere Milch wird zwar verkauft, aber eben erst nachdem sie zu Käse wurde.

Bis bald, euer stolzes Meieli



Fluchtversuch und Alpabzug

Und plötzlich war es wieder soweit – etwas lag in der Luft und wir alle haben es gespürt. Die schöne Alpzeit neigte sich dem Ende zu. Alle anderen Geissen mussten schon runter von der Alp, nur wir vom Meckerweidli noch nicht. Wie schon andere Jahre zuvor, heckten wir wieder einen Plan aus, wie wir noch länger auf der Alp bleiben könnten. Wir wollten abhauen! Wir kamen zum Schluss, dass wir tagsüber viel zu gut überwacht sind und unseren Plan in der Nacht umsetzen mussten. Und so warteten wir auf einen hellen Mond und eine klare Nacht. Aber die Nächte blieben finster. Luna, eine Geiss aus einem anderen Clan erklärte uns, dass es bis zur nächsten Vollmondnacht noch lange dauern werde. Sie wisse das, da sie ja schliesslich in einer solchen Nacht geboren sei. Ich schlug vor, dass wir uns eben im Finstern aus dem Staub machen mussten. Kaum gesagt, wurde es mucksmäuschenstill, als würde der Winter in gerade diesem Moment seine weisse Decke über uns ausbreiten. Nach einem unendlich langen und kalten Moment nickte Geiss Olga als Erste sehr bedächtig mit dem Kopf. Eine Geiss nach der anderen stimmte nickend zu - also war es beschlossen.
Während wir von den Sennerinnen Kirstin und Tanja und ihren Hunden auf die nicht eingezäunte und nur durch ein Felsband abgegrenzte Nachtweide gebracht wurden, setzten wir unseren Plan in die Tat um. Nicht sofort, erst mussten wir abwarten. Kirstin und Tanja sollten meinen, wir würden in die richtige Richtung zur Nachtweide laufen. Schön brav und ein wenig langsamer als gewöhnlich liefen wir grasend in die von den beiden gewollte Richtung. Zufrieden riefen sich die beiden zu, alles sei bestens. Und sollten wir uns jetzt davonstehelen wollen, müssten wir ja wieder ein Stück runter – und das würden wir ja schliesslich nie tun. Geiss Linde und ich blinzelten uns durch die Grashalbe verschmitzt zu….

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Als die beiden endlich wieder zur Hütte hinabstiegen, versammelten wir uns. Olga meine, damit niemand Angst haben müsse und niemand verloren ginge, würden wir es so machen wie die Schafe: Jede ihre Nase am Schwänzchen der vorderen. Schon protestierte eine junge Stimme aus der Gruppe. «Also wirst gleich du die Gruppe zuvorderst anführen und die Herde mit viel Verantwortung durch die Felsen hochführen?» entgegnete Olga. Dann blieb es still – niemand meldete sich freiwillig. Während ich überlegte, ob es an mir wäre, die Verantwortung zu übernehmen, gab Olga das Kommando zum Abmarsch. Ich muss zugeben, mutig und sicher führte sie uns durch das Felsband. Kurz darauf waren wir alle oben angekommen. «Also, meine Damen, jetzt noch eine halbe Stunde fressen und dann suchen wir uns ein sicheres Nachtlager» meckerte ich den anderen zu.

Am nächsten Morgen genossen wir die wunderbare Aussicht. Wir waren glücklich und beschwingt über unsere Freiheit und meinten, dass man uns hier oben nicht so schnell finden werde.

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Wir täuschten uns gewaltig. Noch gegen Abend desselben Tages fanden uns die Sennerinnen und brachten uns runter zum Stall, wo wir gemolken wurden. Schon zwei Tage später zügelten wir runter ins Tal. Ein wenig wehmütig zottelten wir Richtung Talboden. Unten angekommen wurden wir bereits vom Fahrer des Viehtransporters erwartet. Wir mussten einsteigen uns schon ging es los. Nach einer halben Stunde rumpeln und rumkurven konnten wir auf unserer Weide in Därligen aussteigen. Oh, dieses saftige Gras! Schnell waren wir wieder zufrieden und vergassen unserern Kummer von der Alp.


Rückblick auf den Alpsommer

Nun ist es bereits zwei Monate her, seit wir wieder unten im Tal sind. Ich hatte viel Zeit, über den letzten Sommer auf der alp Sousläger nachzudenken. Wir hatten einen sehr guten Sommer. Niemand stürzte ab oder wurde krank. Auch dem Wolf sind wir nie begegnet. Es gab keinen Steinschlag und auch von Blitzen wurden wir verschont. Auch Mary, die wegen ihrer Eisenplatte im Bein immer Angst vor Blitzen hat. Weil wir viele Sträucher fressen konnten, haben wir auch fast keine Würmer in unseren Bäuchen. Das ist sehr wichtig um den Winter gut zu überstehen. Dort oben auf der Alp gibt es noch so viele Sträucher, dass wir auch den nächsten Sommer hindurch genug Blätter zu knabbern haben. Vor allem die Freiheit, die wir auf der Alp genossen, war sehr schön. Dass wir nicht eingezäunt wurden und uns fit halten konnten, ist wichtig für unsere Gesundheit – genauso wichtig wie die gesunden Kräuter, die wir dort fressen konnten.

Ich hoffe, dass mit dem Nachwuchs alles klappen wird und ich noch einen weiteren Sommer auf der Alp verbringen kann. Tja, in meinem Alter ist das nicht selbstverständlich und man muss dankbar sein für alles Schöne, das man noch erleben darf.   

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Neue Gitzis und Maniküre im Winterquartier

Grüessech mitenand! Ich bin wieder da, euer Meieli. Ich möchte euch berichten was in der Zwischenzeit, also im Winter und Frühling so alles los war bei uns. Anstatt wie im Sommer auf der Alp Kräutlein und Büsche zu fressen, erhalten wir im Winter leckeres Heu, welches im Sommer von fleissigen Händen für uns zubereitet wird. Die meisten von uns haben im Januar und Februar ihre Gitzis gekriegt. Diese dürfen wir behalten bis wir auf die Alp gehen. Dann sind sie gross genug um auf eigenen Beinen zu stehen. Unsere Gitzis kommen nicht mit auf die Alp. Ausser diejenigen, die erst im Frühling auf die Welt kamen. Die sind noch so klein, dass sie immer noch Milch brauchen. Ich war die letzte, die diesen Frühling Nachwuchs gekriegt hat. Also darf ich meinen kleinen Napoleon mit auf die Alp nehmen.


Als Vorbereitung für die Alp wurden uns allen noch die Klauen geschnitten. Maniküre und Pediküre, damit wir nicht über die Steine stolpern und in den Felsen guten Halt haben. Wir mögen das alle nicht so gern, aber eben... es muss sein. Nur eine hat sich gewagt zu widersetzen. Strubeli, eine junge schwarze Ziege, ist immer wieder davongesprungen. Auch gegen Würmer werden wir alle behandelt. Dafür müssen wir so eine bittere Medizin nehmen. Das gibt ein bisschen ein Gerumpel im Bauch aber dafür sind die Würmer dann abgetötet. Auch alle Glocken und Treicheln werden kontrolliert und die Glockenriemen, also unsere Halsbänder, eingefettet. Jetzt sind wir startklar!

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Endlich wieder auf der Alp!

Die Alpauffahrt war ein schönes Ereignis. Alle 115 Ziegen und 7 Gitzis wurden unten an der Alp ausgeladen. Da sind weisse und braune, graue und gefleckte.... Viele neue Gesichter: zum Teil wilde langhaarige und auch zarte kleine Jungziegen oder grosse gstabige Geissen dabei. Dann konnten wir endlich zusammen auf die Alp wandern. Dabei wurden wir noch gefilmt, denn das Schweizer Fernsehen war auch mit dabei. Ohne grössere Zwischenfälle, nur ein Gitzi musste getragen werden, weil es die Mutter aus den Augen verloren hatte, kamen wir bei der Alp an. Das war übrigens nicht meins, ich habe meine Gitzi immer gut unter Kontrolle. Kaum am Ziel, wurden auch schon ein paar Rangkämpfe ausgetragen. Auch ich wurde zum Kampf herausgefordert – und habe natürlich gewonnen. Ich bin zwar nicht mehr die Jüngste, aber zäh und kampferfahren. Und zum alten Eisen gehöre ich noch lange nicht. Kurz darauf sind alle Ziegen in die Obhut von Kirstin und Tanja gegeben worden. Am Abend durften wir auf eine Nachtweide. Da wissen die zwei, wo sie uns am Morgen finden und der Wolf kriegt uns da auch nicht, denn das Netz ist hoch und es hat sehr viel Strom drauf.


In der ersten Woche auf dem Melkstand haben einige Ziegen einen Aufstand angezettelt. Einige wollten nicht die Rampe hoch oder wollten sich nicht melken lassen. Ein paar haben die Melchbecher abgestrampelt und andere haben wie Pferde ausgeschlagen oder sind wie Hasen rumgehüpft. Am Anfang war auch ein richtiges Durcheinander auf dem Melkstand oben. Da kriegen wir leckere Graswürfel, damit wir überhaupt auf den Melkstand kommen. Es kann aber nur von vorne nach hinten Futter genommen werden. Mittlerweile geht es schon recht flott vorwärts. Zum Glück wussten ein paar Ziegen noch vom letzten Jahr, wie es läuft. Wir konnten es den Neuen dann zeigen.

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Alpenschweine und Welpen

In diesem Jahr haben wir schwarze Alpenschweine bei uns, die unsere Molke aus der Käseproduktion trinken. Die sind robuster als die rosa Schweine, sehr berggängig und sie kriegen keinen Sonnenbrand. Haha… seit wir auf der Alp sind hat bis jetzt etwa an drei Tagen die Sonne geschienen. Es ist kalt und sehr nass. Das macht uns Ziegen sehr zu schaffen. Die Schweine haben’s gut, die können sich einfach in ihr gemütliches Strohbett einkuscheln. Wir stehen nass und zitternd unter einer Tanne.

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Aber es gibt ja zum Glück auch die schönen Tage, wo wir die Sonne geniessen und die feinen Kräuter und die leckeren Erlenblättlein fressen, von denen es immer noch sehr viele hat.

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Aqua, einer unserer Hütehunde, hat Junge gekriegt. Das sind hilflose kleine Wollkneuel, die anfangs weder was sehen noch hören und schon gar nicht laufen können. Da lobe ich mir unsere Jungen, die können meist schon nach einer halben Stunde nach der Geburt aufstehen. Kurz darauf folgen sie schon ihrer Mutter - zwar auf staksigen Beinchen, aber immerhin.

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Jetzt kann die Welpenmutter nicht arbeiten und uns hüten. Dafür legt sich Mala, die helle Hündin, umso mehr ins Zeug. Das freut sie und auch uns, denn die ist eine sehr liebe und fröhliche und kneift uns nicht, wenn wir etwas langsamer gehen. Aber sie hat eine sehr laute Stimme und bellt uns an, wenn wir nicht gehorchen.

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Mieses Wetter und ein Missgeschick

Ein paar verwöhnte Ziegen hatten mit dem vielen Rumlaufen und dem nasskalten Wetter ihre Mühe. Einige hinkten, andere wurden richtig krank und kriegten Fieber. Einer kleinen braunen ging es so schlecht, dass ihr die Kirstin ein warmes Gilet angezogen hat. Die kriegte auch Medikamente. Nun geht es ihr wieder besser. Eine andere Jungziege hatte etwas Giftiges gefressen. Der ging es so übel, dass sie sich nur noch übergeben hat. Zwar hat sie die Vergiftung überlebt, aber richtig erholt hat sie sich nicht mehr. Der Bauer musste sie nach Hause holen.

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Aber nicht nur uns Ziegen setzte das Wetter zu. Auch bei Kirstin und Tanja zehrte das Wetter an den Kräften. So passieren manchmal kleine Fehler oder aus lauter Müdigkeit passiert ein Missgeschick, wie es neulich Tanja passiert ist. Sie wollte den schönen leckeren Frischkäse in ein Tuch füllen damit der abtropfen konnte. Dann hat sie die Tuchenden nicht gut verknotet und der ganze Frischkäse platschte in der Käserei auf den Boden. Ojeeeemineee, 30 Liter Milch um sonst hergegeben. Wie schade für unsere Mühe und wie schade für die Arbeit und das kostbare Material. Und dabei war der Frischkäse schon bestellt. Da musste Tanja gleich am selben Abend noch einen Eimer Frischkäse ansetzen.

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Kurze Pause, bevor die nächsten Arbeiten rufen...

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